Chrissie Wellington im Dopingsumpf der Frankfurter Rundschau

Citius, Altius, Fortius – Höher, Schneller, Weiter – Das ist das Motto mit dem Jahrelang die olympischen Spiele in Verbindung gebracht werden. Und wenn man sich die Gesellschaft anschaut, dann ist es doch auch das was zählt. In jedem Bereich geht darum höher, schneller und/oder weiter zu kommen als jemand anders es vorher geschafft hat. Und wenn es mal nicht reicht, dann wird eben nachgeholfen – so oder so, allein das Ergebnis zählt. Und wenn man mal einen Dopingsünder findet, dann ist das ein Einzelfall und derjenige wird von der Öffentlichkeit in Zukunft gemieden.

Was hat das nun mit Chrissie Wellington zu tun, wird sich da der ein oder andere Fragen. Im wesentlichen eigentlich nichts. Denn die sympathische Sportlerin ist seit ihrem ersten Sieg beim Ironman auf Hawaii eine feste größe im Ironmanzirkus. Eine Größe ohne irgendwelche Skandale und vor allem ohne den geringsten Hinweiß auf Doping. Zumal sie, wie alle anderen Profis auch, eigentlich in einem speziellen Anti-Doping Programm kontrolliert wird. Und ein positiver Befund ist bei ihr noch nicht Zustande gekommen in den letzten Jahren.

Am Wochenende war nun die Challenge Roth und Chrissie stellte über die Langdistanz im Triathlon einen neuen Fabelweltrekord auf: 8 Stunden 19. nur 6 Männer waren schneller als sie. Damit deklassierte sie nicht nur sämtliche ihrer Konkurrentinnen – sie deklassierte ebenfalls männliche Profiathleten. Männer, die ihr Leben dem Ironmansport gewidmet haben. Sportmedizinische Untersuchungen zeigen, dass Frauen im allgemeinen 10% weniger Leistungsfähig sind. Dies ist eine Tatsache, die je nach Sportart mehr oder weniger stark ausgeprägt ist. Ich denke vor allem diese Tatsache hat die Frankfurt Rundschau zu dieser Überschrift bewogen: 1

Wellington siegt mit Weltbestzeit

Neue Maßstäbe oder neues Wundermittel?

Was will uns Frank Hellmann mit diesem Artikel nun sagen?
Vor allem wohl drückt dieser Artikel das misstrauen aus, dass heutigen Profisportlern entgegen gebracht wird. Außergewöhnliche Leistungen werden nicht aufgrund vo hartem Training und Opferbereitschaft erreicht sondern durch Doping? Das zumindest ist die Aussage, die durch die Bank in Berichterstattungen zu lesen ist. Im Gegensatz zur Tour de France beschränkt sich dieser Verdacht auf einzelne Leistungen und nicht auf eine komplette Sportart. Das mag vor allem an der geringen Medienpräsenz des Triathlonsports liegen, ändert aber nichts an der Tatsache, dass außergewöhnliche sportliche Leistungen immer nur unter Vorbehalt akzeptiert werden.

Aber widmen wir uns ein wenig ausführlicher dem Artikel der Rundschau, der mir doch an einigen Stellen ein wenig unrund aussieht.

“Ihre Leistung macht den Triathlon lächerlich – so etwas schadet dem Sport nur”, sagt ein Insider. Er sei sich ganz sicher, dass “sie sich seit Jahren etwas reinhaut.”

Spätestens hier fängt der Artikelan sich von der Realität zu entfernen und betritt das Reich der Mythen. Grundsätzlich sind meiner Meinung nach alle Insider, die nicht genannt werden wollen, genauso gute Quellen wie AstroTV oder der Kaffeesatz. Letztendlich kann ich auch etwas erfinden und diese Worte meinem ganz persönlichen Insider in den Mund legen.

Weitere Quellen sind etwa Internetforen, in denen schon wild spekuliert wird, was Chrissie einwirft. Lassen wir uns das nochmal auf der Zunge zergehen. Internetforen, in denen übrigends das Gesetzt von Godwin 2gilt:

“As an online discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one.”

Aufgrund von Diskussionen in anonymen Internetforen Sportler zu verdächtigen ist scheinbar heutzutage angebracht. Aber wir alle wissen ja auch, dass im Internet nur Experten unterwegs sind. Und wenn sie keine Experten sind, so haben sie doch wenigstens eine wichtige Meinung, die man unbedingt beachten muss.

Ich könnte diesen wertvollen “Beitrag” letztendlich weiter zerpflücken, aber das würde alles nur auf die Aussage hinauslaufen, die ich jetzt eh treffen möchte. Wer die zeit findet kann sich ja in der Rundschau schlaulesen und sich selbst eine Meinung bilden – das macht am Ende sowieso am meisten Sinn.

Worauf ich aber hinaus möchte ist folgendes: Ein Sportler ist lezten Endes ein Mensch wie du und ich. Seine Leistungen aufgrund von spekulationen herabzuwürdigen ist moralisch ebenso bedenklich wie das Dopen an sich. Solange sich Sportler an die ihnen gesetzten Regeln halten, kontrolliert werden und nachweißlich negativ getestet werden muss seine sportliche Leistung als das anerkannt werden was sie ist: eine außergewöhnliche und herausragende Leistung. Der Generalverdacht der immer wieder in Zeitungsmeldungen ausgesprochen wird Zerstört die Reputation von ganzen Sportarten, und das nur Aufgrund von hörensagen – oder weil man es nicht wahrhaben will, dass der menschliche Körper zu solchen Leistungen fähig ist.

Wer dieses Thema spannend findet, der findet unter folgendem Link noch ein Statement vom Doc – dem Ex-Trainer von Chrissie Wellington -  der sich explizit mit den Leistungen am Sonntag in Roth beschäftigt. 3

Chrissie Wellington hat mir ihrer Leistung das Potential ein neuer Superstar der Triathlonszene zu werden; zumal sie auch äußerst sympathisch und Medienwirksam ist. Von der achtmaligen Ironmanweltmeisterinnen wie Paula Newbie Fraser ist sie zwar noch ein paar Siege entfernt, aber wie kommt es, dass diese nicht von Dopinggerüchten überschüttet wurde?

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