Meine Zeiten:
- Schwimmen: 1:13:24,5
- 39:53
- 33:31
- T1: 6:09,8 (dieser Sandberg ist die Hölle)
- Bike: 6:23:42,0
- 24:05
- 2:52:05
- 3:07:31
- T2: 3:52.9
- Run: 6:37:58.6
- 1:28:38
- 1:34:26
- 1:44:42
- 1:50:11
- Finish nach: 14:25:07,8
Vor dem Rennen:
Der Freitag verlief sehr gemütlich. Ich hatte mir frei genommen und bin nach den Ausschlafen mit der S-Bahn richtung Frankfurt gefahren. Nachdem ich für günstige 15€ die Tageslizenz der DTU erworben hatte gab es Startnummern, Aufkleber, Fußchip und diverse Gutscheine und Geschenke gut verpackt im Ironmanrucksack.
Danach ging es weiter zur Wettkampfbesprechen in die Eissporthalle in Frankfurt. Nichts neues gab es zu vermelden. Neoprenverbot und 5km mehr Radfahren waren keine wirklich Überraschung bei den Temperaturen. Die Umbaumaßnahmen in Bad Vilbel durfte ich ja schon mehrmals bei meinen Ausfahrten auf dem Rad bewundern.
Nach der Wettkampfbesprechung ging es heim – nudeln essen und früh schlafen gehen.
Samstag in der früh hab ich erstmal das Rad abgegeben. Zuvor wurde aber mindestens 100 mal kontrolliert, ob auch alles im roten Beutel verstaut war. Der rote Laufbeutel musste heute ebenfalls abgegeben werden – ihn würde ich erst nach dem Radfahren am Sonntag wiedersehen. Rad, Helm, Schuhe und die Beutel wurden dann erfolgreich in Langen am Waldsee zurückgelassen und wir gingen nochmal nach Frankfurt um sommerliche Wettkampfkleidung zu kaufen. Heraus kam eine Andreas Raelert Gedächtniskombination aus Trihose und Trishirt.
Danach gings nach Hause, gucken wie Maradonna heult und mit einer Schüssel Kartoffelbrei ab ins Bett. Zwischendrinnen kamen wir noch auf die Idee die Beine zu rasieren – wie die Profis eben…
Raceday:
Normalerweise bin ich ein richtiger Morgenmuffel – und ob ein Wettkampf mir wichtig ist erkenne ich schon daran, wie ich mich beim klingeln des Weckers fühle. Die Tatsache, dass ich bereits vor dem Klingeln senkrecht im Bett stand war für mich ein gutes Zeichen. Ich war wach, fühlte mich fit, hatte hunger und war wenig angespannt.
Zum Frühstück gab es die zweite Hälfte des Kartoffelbreis und das erste Gläschen Babynahrung (Apfel, Banane, Babykeks – lecker). Die Wettkampfzone war um halb 6 schon gut gefüllt und ich verabschiedete mich von Johanna und meiner Mama, die mich Tapfer bis zum Eingang der Wechselzone begleiteten – ich hab mich oft gefragt werd aufgeregter war – heute weiß ich, dass sie es waren.
Drinnen angekommen ging es ans Aufbauen. Alles schon 100 mal im Kopf durchgegangen, nichts spannendes. Alle Gels und Riegel ans Rad, Wasser auffüllen, Helm, Schuhe, Strümpfe bereitlegen und richtung Toilette anstellen.
Bereits hier ist man in so einer Art Tunnel. Ich hatte mir meinen IPod mitgenommen und wurde von “In Flames” auf maximaler Lautstärke beschallt. Die Blicke die ich beim Luftschlagzeugen erhielt sprachen Bände! Aber ich fühlte mich gut, ich war locker.
Ich traf dann noch auf Nils und Biene – auch sie wirkten locker und entspannt. Ankommen – nicht mehr und nicht weniger!
Vicky war so freundlich mir meine letzten Habseeligkeiten abzunehmen und sie meiner Mutter zu bringen. Fast schon so eine Art persönliche Betreuung in der Frankfurt T1 Wechselzone!
Schwimmen:
Alles war fertig – jetzt ging es los. Nach der Nationalhymne ging es auch für mich raus ins Wasser. Leider konnte ich niemanden von meinen mitgereisten Fans erblicken, was mich ein wenig stutzig machte. Jetzt konnten sie mir aber auch nicht helfen. Schließlich muss ich da alleine durch. 15 Minuten nach den Pros dümpelte ich an den Füßen von Roland Koch im Wasser und erinnerte mich an meine Worte: “Ich werde von hinten ins Schwimmen starten, ich hab da ja keine Ambitionen”. Gut nur, dass die zweite Reihe bereits schon deutlich als hinten bezeichnet werden kann.
“Noch eine Minute bis zum start” – und ich hatte vergessen wie schwimmen geht…
Ein kleiner kurzer Anfall von Panik “Was mache ich hier? Was soll das alles?” und der Start war erfolgt. Ich kann mich an nicht mehr viel erinnern. Zu viele Hände, Beine, Arme überall. Im Gesicht, Bauch, auf dem Rücken. Es war im wahrsten Sinne der Schleudergang der eingeschaltet wurde. Aber bereits nach einer Minute hatte ich Platz ohne Ende. Ich scherte noch weiter nach Rechts aus und hatte quasi eine Bahn für mich alleine.
So verliefen die ersten 800 Meter sehr ruhig. Ich konnte meinen Rythmus suchen – ihn nicht finden – aber immerhin hatte ich Zeit ihn zu suchen. Normalerweise schwimme ich immer einen sehr ruhigen 4rer-Rythmus, heute tat es auch ein 2er. Bei der ersten Kurve wurde es nochmal eng, aber alles im grünen Bereich. Unter Wasser sah ich immer die selben 2 Anzüge: einen blau-weißen und einen schwarzen. Ich war also in guter Gesellschaft. Der Landgang war ätzend und ich war froh wieder im Wasser liegen zu können. Die zweite Runde war super, bis auf das quälende Gefühl, dass alle anderen schneller waren als ich. Am Ende bin ich mit 1:13 aus dem Wasser.
Ich hatte immer die Angst nach dem Schwimmen in die Wechselzone zu laufen, durch die Reihen zu laufen und mein Rad als letztes dort stehen zu sehen. Aber als 700er aus dem Wasser zu kommen, damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet.
Bike:
Der Wechsel auf das Rad verlief nach dem Zwischenstopp im Dixie-Klo sehr gut. Ich war mit geschätzten 30 km/h auf dem Weg nach Frankfurt und fing in aller Ruhe an zu essen. Im nachhinein betrachtet weiß ich vom Radfahren noch am wenigsten. Ich habe keine Ahunng was ich in der Zeit alles gemacht habe. Die schmerzen hielten sich in Grenzen und die Krämpfe bei Kilometer 90-100 gingen irgendwann von alleine.
Mit erschrecken musste ich jedoch feststellen, dass ich das Salz vergessen hatte, dass ich mir extra am Tag zuvor in der Apotheke bestellt hatte. Die Erkenntnis traf mich übrigends mitten im Anstieg auf “The Beast”. Zum Glück kam die Sonne erst gegen Ende der Radstrecke heraus, sodass ich mich erstmal so übermäßig Salz durch Schwitzen verloren habe. Trotzdem stellten sich die Krämpfe, wie im Training übrigends auch, kurz vor Kloppenheim ein. Das erinnert mich an Chris McCormack und seine Aussagen beim IM 2009 in Hawaii: “Bloody cramps – you gotta love it”. Wie durch ein wunder konnte ich aber das Tempo halten und kam relativ sicher den Berg in Bad Vilbel hoch. Die Stimmung war erstklassig und hat mir bestimmt das ein oder andere Körnchen an Kraft gegeben.
Bei der Fahrt herunter nach Frankfurt erholten sich meine Beine recht gut und ich hatte ein wenig Zeit nachzudenken. Jetzt noch eine Runde. Warum? Wieso? Muss das sein? Durch ein nicht zu überhöhrendes “JOHNNY” wurde ich von Michel aus meinen Gedanken gerissen und ich glaube das war genau das richtige. Mit einem Lächeln auf den Lippen fuhr ich anschließend über die Hanauer Landstrasse raus nach Bergen-Enkheim. Mitlerweile hatten es meine Familie und Freunde geschafft sich dort mit Grill und Bänken zu versammeln und trieben mich den Berg hoch.
Das letzte Hinderniss kam nun in Form des Hühnerbergs. Wenige Berge mag ich so wenig wie diesen. Er fängt eigentlich bereits in Wachenbuchen an und beginnt mit einer leichten aber konstanten Steigung, hat im Mittelteil einen leichten Sattel und biegt sich dann gemächlich hoch auf den höchsten Punkt der Strecke nach Friedberg raus. Um es kurz zu machen: Ich weiß nicht wie ich dort hochgekommen bin – aber danach wurde alles besser. Die Aussicht bald vom Rad zu kommen war wunderbar und die Fahrt nach Friedberg konnte ich sogar genießen.
Auf dem Rückweg nach Frankfurt bin ich immerwieder an den selben Leuten vorbei. Bergauf haben sie mich dann wieder eingeholt. Besonders Erik ist mir in Erinnerung geblieben. Jedes mal einen Spruch auf den Lippen, wenn ich an ihm, oder er an mir vorbei ist.
Laufen:
Kurz vor dem Wechsel zum Laufen hab ich zum ersten mal an diesem Tag realisiert, dass das mit dem Ziel wirklich was werden könnte. Mir standen Tränen in den Augen, als ich das Rad einem Helfer in die Hand drückte um zu meinem Laufbeutel zu laufen.
Trotz aller schmerzen auf dem Rad: mein Beine fühlten sich nicht schlecht an. Wenn man meine Laufzeit sieht, mag man das nicht glauben – aber da laufen für mich immer die schlechteste Disziplin war, ist das schon in Ordnung.
Ich lief also ins Umkleidezelt und bekam von einem freundlichen Athleten eine Tüte Salz gereicht. Wie lecker pures Salz ist, wenn man es 5 Stunden lang vermisst…
Dann beging ich den größten Fehler des Tages: Die Sonne kam gegen Ende der Radrunde raus und ich dachte mir: Eincremen nicht vergessen. Mir lief der Schweiß in Sturzbächen vom Körper. Die Creme verstopfte sofort alle Poren und ich musste mich bei der DSW Meile unter der Dusche erstmal wieder von der Sonnecreme befreien. Es war grausam.
Die Verpflegung auf der Strecke lief problemlos. Nach der ersten Runde hatte ich mir vorgenommen immer bis zu den Verpflegungsstellen zu laufen und dann ruhig im gehen die Verpflegung zu mir zu nehmen. Relativ schnell hab ich dabei gemerkt, dass mir der Isodrink nicht wirklich bekommt. Erste Magenkrämpfe stellten sich sofort ein, nachdem ich ihn zum ersten mal getrunken hatte. Stattdessen setzte ich auf Cola, Redbull, Orangen und ein wenig Salz sowie ab und an mal ein Powergel. Bis zum Ende lief es dahingehend wirklich super.
Generell kann ich jetzt nachträglich auch sagen, dass ein Marathon an sich grausam ist. Und im Allgemeinen kann ich bestätigen, dass es total dämlich ist seinen ersten Marathon bei einem Ironman rennen zu laufen. Die längste Distanz im Training war in etwa 30km.
Gut an meinem Marathon war, dass der “Mann mit dem Hammer” einfach nicht erschienen ist. Ganz im Gegenteil zu den bisherigen Erfahrungsberichten wurde das laufen ab km 30 überhaupt erst gut. Alle schmerzen waren vergessen, alle Gedanken waren fokussiert und das Ziel so nahe.
Das pinke Bändchen in Empfang zu nehmen war so ziemlich das schönste Gefühl das man sich vorstellen kann. Die Runden davor wurden begleitet von neidischen Blicken auf diejenigen die mehr Bändchen hatten. Und am Ende selbst alle zu haben und ins Ziel rennen zu dürfen war ein super Gefühl – es ist wie schweben.
Auf einmal war auch wieder ein wenig Energie da. Ich konnte wieder laufen – deutlich schneller als vorher – hatte ein lächeln auf den Lippen und wusste garnicht wohin mit meiner Freude.
Die letzten 200 Meter waren eine wahre Achterbahn der Gefühle. Aus dem einsamen Lauf entlang des Mains wurde schlagartig ein Hexenkessel mit einer riesigen Menge feiernder Menschen. Ich hab mir ein Jahr lang in jedem Training vorgestellt wie es wohl sein würde und doch was es vollkommen anders. Es war als ob ich in einem Tunnel laufen würde – das einzige was ich wirklich wahrgenommen habe war die Ziellinie und darum gab es einfach nur ein riesen Chaos aus Stimmen, Lichtern und Gesichtern – unbeschreiblich.
Fazit:
Was soll ich sagen – War es das bekloppteste, was ich jemals gemacht habe? Mit Sicherheit! Würde ich es wieder tun? Sofort, ohne nachzudenken. Werde ich es wieder tun? Sehr wahrscheinlich. Immerhin hat mir meine Zeit doch sehr deutlich aufgezeigt, wo ich arbeiten muss, wenn ich besser werden will.
Ich hoffe, dass der Support, den ich erfahren habe dann wieder mit von der Stelle ist. Ihr wart super! Besonders die Laola in der letzten Runde
Und nicht zu vergessen die völlig regelkonforme Abkühlung bei Holger.
